Manche Zeitgenossen, vor allem die, die meiner schallenden brotlosen Kunst seit mehr als einer Dekade ausgesetzt sind - an dieser Stelle möchte ich ein paar liebe Grüße an meine Eltern schicken - ahnen schon nach den ersten zwei gespielten Tönen von Hey Hey, was da in den nächsten zwei Minuten auf sie zukommt.
Nein, sie ahnen es nicht, sie wissen es: “Oh, das Stück kommt mir bekannt vor und dabei habe ich es erst abgerundet einhunderttausend mal gehört!” Da mir das Lied selbst schon bald aus den Ohren raushängt wie Frau Holles Bettwäsche aus dem Fenster, habe ich improvisiert, dazugesponnen und alteriert.
Hey Hey [extended] (mp3 / 3mb)
Ein Blues, der mir das Herz erwärmt. Von mir in einer eher geradlinigen verswingten Art. (Wem’s gefällt…)
Vorwarnung: Ich habe mir die Freiheit erlaubt, das Stück mit Soli in die Länge zu ziehen.
Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.
West Coast Blues (mp3 / 5mb)

Manchmal überkommt mich das Verlangen und ich träume mich mitten im Tag hinfort zur Copacabana, dem berühmten Strandabschnitt in Rio de Janeiro oder irgendeinem anderen Platz, an dem es viel Sonne schneit, die Mauken angenehm vom glühenden Sand gegaart werden und das Meer ohne die Schultern zu zucken jeden Stress vergangener Wochen davonspühlt.
Einen Hauch dieser Vorstellung skizziert eine verschollene und wiederaufgetauchte Stehgreifkomposition. Falls die Weben verhangene Dunkelkammer, mein Erinnerungsvermögen richtig liegt, habe ich diesen Anflug von Südamerika-Fernweh im Januar 2005 aufgezeichnet. Kommentare dazu sind erwünscht!
Longing For Copacabana (mp3 / 2MB)
Hallo Nachbarn, mit folgendem Stück dürfte ich mein Pensum an kulturellem Austausch für 2008 erfüllt haben. Hot-Club Jazz der 40ger gepaart mit Mozarts Türkischer Marsch. Dabei bin ich sicherlich erst der 500.000ste, der meint, Mozarts Erbe besudeln zu müssen.
Django Alla Turk (mp3 // 2.50 MB)

Erfinder des Gypsy-Jazz: Django Baptiste Rheinardt.
Zurzeit noch in den Nachwehen meiner Gypsy-Phase - Borat der Film war letztlich Schuld - stieß ich per Zufall auf ein Lied, in das ich mich sofort verhörte. Technisch anspruchsvoll. Harmonisch und melodisch bezirzend. Viel davon ist in meiner Version nicht übrig geblieben. Aber hören Sie selbst:
La Gitane (mp3, 2,7 mb)
Randbemerkung: Die Schwierigkeit ist nicht das Stück zu spielen, sondern sich nebenbei die Haare zu fönen ;) Die Konservenband stellte mir das Programm Band In A Box zur Seite. Gitarre: Epiphone ES-335, semi-akustisch. Und ganz wichtig: Es stammt von einem französischen Gypsy-Gitarristen namens Paul “Tchan Tchou” Vidal. Meine Version ist hörbar von Joscho Stephan beeinflusst, der mich mit seiner teuflisch Perfektion, die Stakkatosalven aus seiner Saitenbespannten Holzkiste abzufeuern, erst dazu brachte, diesen Walzer einzustudieren.
Derzeit bin ich mit allerlei zeitintensiven Dingen beschäftigt, mit denen ich Euch nicht anöden möchte. Womit ich die Leser, die sich hier her verirrt haben, anöden möchte, ist folgende Ankündigung: Ich werde das erste Mal überhaupt, seit dem ich in mittelfränkischen Gefilden Fußabdrücke hinterlasse, bayrische Luft inhaliere und mit Leberkasweckla* perdu bin, die Fürther Musikszene mitgestalten.
Heute abend eröffnen um 20:30 Uhr ein paar Musiker eine Offene Jazz-Session. Die Bar, in der das Gwerch startet, befindet sich bei mir um die Ecke. Daher packe ich die Gelegenheit am Schopfe und werde dort mein Bestes tun, um mit ungehobelten Gitarrenschmonzetten anwesende Gehörschnecken zu malträtieren und dafür noch ein Gratisgetränk meiner Wahl zu bekommen.
Ich habe keine Vorstellung davon, was mich in raum4, so der Name des Lokals, erwartet. Meine Erlebnisse im musikalischen Varieté mit mir in der Rolle des Affenzirkusdirektors werde ich natürlich in Kürze hier verbeiten.
*Brötchen mit Leberkäse und Senf - ein traditionelles Gericht
Kinder, was ich jetzt mitzutzeilen habe, wäre klug in sein Verhaltensmuster einzuflechten: Geht regelmäßig zum Zahnarzt! Meine Verzögerungs- und Verdrängungsstrategie hat sich dieses mal nicht bewährt. Es gibt Baustellen in der Mundhöhle gegen die energischtes Schrubben nichts ausrichten kann. Auslöser meines spontanen Anflugs an Motivation, zum Dentisten zu gehen, war das konstante Gefühl, Reißzwecken im Rachen stecken zu haben. Den Schmerz erschien eines hellichten Tages. Wie an eine Pinnwand - mein Mowl nämlich - geheftet, führte er mir meine fehlgeschlagenes Verdrängen, Ignorieren und die Schönmalerei, dass sich die Sache schon irgendwie in Wohlgefallen auflösen wird, vor Augen.
Interessant wie sich die Wertschätzung von Gesundheit expotenziert, sobald man die Gesundheit zu verlieren glaubt. Jedenfalls war die Ursache der Beschwerden ein Weisheitszahn. Oder besser eine Zahnschmelzruine. Schuld sei ich nicht an seinem Kariesbefall, meinte meine Zahnärztin. Es gibt einfach Stellen im Mund, an die ist selbst mit meiner filigranen Geschicklichkeit kein Rankommen und so keine ausreichende Hygiene möglich.
Jetzt ist der versehrte Zahn jedenfalls raus und ich kaue auf einem getränkten Wattepfropfen rum. Kinder, geht deshalb regelmäßig zum Zahnarzt und lasst es nicht zu, dass ein kleiner Haufen von Bazillen zu einem bösen Unruheherd heranwächst und die schönen Zweiten in eine Kraterlandschaft verwandeln.
Das Auge trinkt mit, habe ich mir gedacht als mir der sympathische Cheffe der Caféteria dieses Heißgetränk servierte. Die Pflanze im Milchschaumbett hat der Kaffeespezialist mit reinem Geschick kreiert. Einfach mit dem Kännchen, das von Schaum am Rand gesäumt war, ein paar mal nach einem vorher gelernten Bewegungsmuster in das Glas getunkt. Voila!
Wer mal diese und andere netten Bohnengetränke probieren möchte, geht hier hin: Caféteria, Universitätsbibliothek Erfurt, direkt am Campus.
Wonach ich schon seit Jahren meine Ernährung ausrichte, bringt der Spiegel-Reporter und Buchautor Ulrich Fichtner schlecht gelaunt und gerade deshalb sehr deutlich auf den Punkt: Den Deutschen geht es zu gut. Ohne Not fressen Sie den billigsten Nahrungsschlamm. Die Mahlzeit als familiäres Happening hat seine Kultur verloren. Katzen speisen delikater als Ihre Fress-Spender.
Super Essen. Ein bisschen lieblos auf den Teller gehaun, aber äußerst vorzüglich. Da stören die paar Flecken auf der Tischdecke auch keinen mehr.