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Konzertkritik: Walter Trout & Band
By Paul | May 6, 2009
Ein Bluesrocker der alten Schule gastierte im ehemaligen Gewerkschaftshaus in Erfurt. Ich, der noch nie was von Walter Trout oder dessen Musik vernommen hat, folgte einer Einladung zum Konzert drinnen. Meine Eindrück von der Show glichen dem herrschenden Kackwetter draußen – gemischt und wechselhaft.
Gut, dass der Mann auf der Bühne mit seiner Jonny Cash ähnlichen Stimme uns nach drei gespielten Stücken mitteilte, dass er nicht Walter Trout sei, sondern nur ein paar Songs zum Aufwärmen darböte. Lediglich begleitet vom minimalen Spiel seiner Akustikgitarre beschwor er in unaufgeregten, kurzen und geradlinigen Akustiknummern eine Lagerfeuerromantik, die das überwiegend wohlwollende Dienstagabendpublikum auf Konzerttemperatur brachte.
Hier fegt gleich der Blues-Taifun drüber.
Walter in Arbeitskleidung und an seinem Arbeitsplatz.
Walter und Band betreten nun die Bühne. Ich stehe in vorderster Reihe und blicke – wie sich noch herausstellen sollte – nur im direkten Wortsinn zu ihm herauf. Zum Vorspiel gab es ein wildes Gefichtel auf vielstrapazierten Bluestonleitern und stellte klar: Walters Fender Strat und der Mesa Boogie ergeben einen saftigen, etwas schärfer als goldbraun angebratenen Gitarrenklang. Eine erlesene Zutat für diesen bestimmenden Südstaaten-Sound irgendwo zwischen Texas und Tennessee. Eine Hammond-Orgel mit Leslie-Lautsprecher, der knackig mit Plektrum gespielte Bass und oben drauf der heiser-röhrige Gesang komplettierte diesen kalorienhaltigen Hauptgang.Serviert wurde er leider nur lauwarm. An Lautstärke wurde nicht gegeizt, nur war der PA-Sound unausgewogen. Zu drucklos der Bass, matt das Schlagzeug und zu undifferenziert war die Stimme abgemischt.
Da sind sich die einzelnen Spuren in ihren Frequenzbereichen gegenseitig auf die Füße getreten. Das habe ich schon deutlich besser gehört. Jetzt liegt’s an der Band, ob ich dem Gewerksschaftshaus mit einem zufriedenen Lächeln entschwinde.Dieses Lächeln sehe ich eher bei den Fans von rohem Bluesrock, der den Konventionen dieser Stilrichtung überwiegend treu bleibt. 12-Takt-Blues-Schema, Gitarrenlicks in der von Hendrix oder Stevie Ray Vaughan geprägten Phrasierung, ein paar Balladen zum Luftholen, die groovigen, geshuffelten Mid-Temp-Nummern und selbstverständlich Soloeinlagen vom trio infernale:
Gitarre, Hammond-Orgel und Schlagwerk. Mir fehlten diese feinen Zwischentöne, die Pausen und die emotionale Tiefe die den Blues auszeichnen. Von dieser gefühlvolleren Seite zeigte sich der Grobian auf der Bühne an diesem Abend kaum. Der fichtelte sich lieber durchs Tonleitergestrüpp.Seine 40 Jahre alte Routine habe ich bemerkt und auch, dass seine Musik insbesondere aber seine Gitarrenkunst darunter gelitten hat. Blues muss ja nicht klinisch sauber sein. Wäre Walter mit der hier dargebotenen Präzision am Griffbrett Chirurg und operierte am offenen Herzen, wäre der Patient ohnehin tot.
Der Mann übt schon lange nicht mehr, was man lediglich in den höhere Tempozonen dann aber deutlich hört. Und dorthin flüchtete er sich leider viel zu oft. Die soliden Songs waren mit Gitarreneskapaden überladen, die sich auch noch ab dem dritten Lied wiederholten. Da fehlte es an Originalität und Gespür für die Note und Pause zur richtigen Zeit.Wie weit die subjektiven Meinungen auseinander gehen können, machte mir ein langjähriger Fan von Walter Trout deutlich als er diesen Konzertabend als einen der qualitativ Besseren nannte. Mich hat diese Performance nicht überzeugt. Ein weiteres Konzert muss ich nicht sehen. Dann lieber die paar Kröten drauflegen und Popa Chubby ansehen oder den noch jungen aber hochtalentierten Dennis Hormes.
Topics: Kulturkritik, Musique | 4 Comments »
May 11th, 2009 at 7:57 pm
Die Artikel, die sie schreiben, sind sehr interessant. Ich danke ihnen dafür. Ich habe eine Frage: wieso sind diese Artikel, insbesondere dieser jetzt, so lang verfasst. Kennen Sie Twitter? Es würde auch mit weniger Zeichen gehen sich auszudrücken (von der Information her). Ich möchte Sie nicht angreifen und ich muss wirklich sagen, dass es sehr gut ist seine Meinung im Internet kund zu tun. Ich finde das wirklich gut! Was mir auch schwer fällt ist, mich kurz zu fassen in diesem Sinn. Grüße Frank Gläser PS Habe in drei Wochen 50 Jahre voll und lade euch hiermit ein (die Redaktion und Künstler, die hinter der Seite stehen). Es wird in kleinem Kreise gefeiert, und zwar im Bürgerhaus Hüpstedt.
May 12th, 2009 at 11:52 am
Danke für Ihre Kritik. Ich könnte mich tatsächlich etwas kürzer fassen. Solche langen Artikel liest sich eh kein Mensch komplett durch. Die Artikel sind vor allem deshalb so lang, weil ich mich gerne reden/schreiben höre bzw. lese und mich meine Eitelkeit dazu verführt mit sehr vielen Sätzen wenig zu sagen
Von Twitter habe ich ebenfalls gehört, halte davon allerdings nicht viel.
Es hält mich nur von den wichtigeren Dingen ab. Ich mag es, meine Aufmerksamkeit auf eine oder wenige Dinge zu konzentrieren.
Besten Dank für die Einladung! Haben Sie auch eine Webseite?
November 20th, 2009 at 5:07 pm
Also mir persönlich gefällt dein Schreibstil … da kann der Artikel auch ruhig ein wenig länger sein. Auch die Kritik bringst du echt humorvoll rüber.
Beit Twitter geht finde ich die Eigenständigkeit zu sehr verloren.
Deine Seite ist bei mir auf jedenfall mal im Feedreader gelandet
liebe Grüße
Andi
November 26th, 2009 at 2:25 pm
Hey Andi, danke fürs Lesen und Schreiben. Das motiviert mich, mehr zu meiner Weisheiten zu veröffentlichen.